Auch Das Fest spürt etwas den Gegenwind bei Ticketverkäufen -
trotzdem 4 Tage volles Programm
Ungeplante Veränderung bei Das Fest 2026 in Karlsruhe: einer
der beiden ikonischen Bäume auf dem Mount Klotz, verewigt auf
Tickets, T-Shirts und mehr ist dem schweren Unwetter vom 16.
Juli 2026 in Karlsruhe zum Opfer gefallen. Und dann ist auch zum
ersten Mal, seitdem Tickets eingeführt wurden, zum Beginn von
Das Fest mit Ausnahme des Samstags Das Fest nicht ausverkauft.
Doch dazu später mehr.
Donnerstag: Loi
Los ging es für mich am Donnerstag um 19 Uhr mit Loi auf der
Hauptbühne und ich war angenehm überrascht. Von ihr kannte ich
eigentlich nur ihre Interpretation des The Weekend Hits
"Blinding Lights" und "Gold" aber die Mannheimerin hat eine
prima Stimme, ein Gespür für Melodien und eine Klasse Band dabei
wobei die Gitarren erfreulicherweise deutlich zu vernehmen war.
Zu ihrem Empowerment Song "I am enough" kam sie im passenden
T-Shirt auf die Bühne auf dem unübersehbar der Titel des Songs
gedruckt war. Ein neuer Song, der bis zu diesem Tag noch nicht
veröffentlicht war, wurde auch gespielt, nämlich "Golden
Summer", dessen Refrain schnell vom Publikum aufgenommen wurde.
Wie gesagt: Loi hat wirklich Gespür für Melodien. Mit "Red Eyes"
und Feuerfontainen endet ein schöner Auftritt.
Donnerstag: Nico de Santos
Klar, die meisten waren am Donnerstag wegen Nico Santos da.
Eigentlcih nicht so mein Fall aber als Nico Santos und seine
Band um 21 Uhr die Bühne betraten war ich überrascht, dass Nico
Santos seinen Set gleich mit 3 Hits begann nämlich "Remedy",
"Rooftop", und dem aktuellen Hit "All Time High". Wow, dachte
ich noch, das ist mutig denn normalerweise hebt man sich die
Hits doch für das Finale auf. Aber Nico Santos und seine Band
hatten das Pulver eben nicht verschossen, sondern hielten die
gute Stimmung zunächst mit Covers wie zum Beispiel "Hey Ya!" von
Outkast aufrecht.

Der sympathische Nico Santos weiß, wie man mit den Fans
kommuniziert und so ging es dann für ihn ab ins Publikum um
Blurs "Song No 2" anzustimmen, Woohoo! In der zweiten Hälfte
konzentrierte er sich dann auf seine deutschen Songs, die ein
bisschen weg von m internationalen Pop hin zu Deutsch-Rap gehen.
Nicht ganz so mein Ding, aber man muss den Mut loben statt auf
Nummer sicher zu gehen was Neues zu wagen.
Und zum Schluss holt er sich noch einen Fan auf die Bühne um
mit ihm nach längere Diskussion "Boyfirend" von Justin Bieber
anzustimmen. Fazit: Nico Santos und Band sind live prima und
überraschend vielseitig. Nur war hier und da der Sound nicht so
gut wie vorher bei Loi, was man vor allem bei "All Time High"
merkte, was live nicht so richtig zünden wollte. Der guten
Stimmung insgesamt tat das aber keinen Abbruch.
Freitag: Blood Red Shoes
Wíe so oft bei Das Fest in den letzten Jahren muss man
Rock-Acts mit der Lupe suchen oder auf die Feldbühne ausweichen,
von daher war es für mich klar, dass ich mir die Blood Red Shoes
aus Brighton auf der Hauptbühne nicht entgehen lassen konnte.
Die Band besteht aus Laura-Mary Carter an der Gitarre und Steven
Ansell an den Drums, also in etwa in der Besetzung der White
Stripes, nur umgekehrt. Die Songs bewegen sich zwischen
Alternative Rock und Grunge mit leichten Punk Anleihen.
Die beiden wechseln sich beim Lead Gesang ab, gut sind sie aber
vor allem, wenn sie beide singen, was leider selten der Fall
ist. Die Songs sind oft minimalistisch aufgebaut und bestehenden
oft aus wiederkehrenden Gitarrenriffs. Hier und da werden
ein paar Backing Tracks dazu gemischt um den Sound aufzufüllen.
Laua-Mary Cartes Rolle ist die der coolen, selten mit dem
Publikum kommunizierenden Gitarristin während Steven Ansell oft
übertrieben ausholend die Drums bearbeitet und für die Ansagen
zuständig ist- Live sind die beiden recht gut, aber ein bisschen
mehr Abwechslung bei den Songs und dem Sound würden nicht
schaden.
Freitag: Beatsteaks

Die Beatsteaks waren schon mal beim Fest, nämlich 2007 und
seitdem träumen sie von einer Rückkehr zum Mount Klotz mit
seinen Zuschauern, der wie bei anderen Künstlern auch, großen
Eindruck hinterlassen hat. Und dieses Jahr hat es dann endlich
geklappt. Um 21 Uhr ging es etwas ungewöhnlich los: die Screens
blieben schwarz und zu Ehren der kürzlich verstorbenen Bonnie
Tyler wurde "Total Eclipse of the Heart" eingespielt.
Dann aber die Beatsteaks mit "Summer" das einen so schönen Call
and Response Moment zwischen Band und Fans bietet. Gitarrenriff
und die Fans rufen "Beatsteaks", dann wieder Gitarrenriff und so
weiter. Großartig. Ehrlich gesagt kannte ich die Beatsteaks nur
vom Namen her und hatte sie in die Punk Schublade gesperrt. Weit
gefehlt: ähnlich wie The Clash sind sie dafür viel zu
vielseitig. Da klingt man Reggae / Ska an, dann wird es schon
fast poppig bevor es dann wieder richtig abgeht.

Sänger Gitarrist Armin Teutoburg-Weiß führt durchs Programm und
definiert den Begriff Crowd_Surfing neu indem er sich
tatsächlich auf ein Surfboard stellt und sich von den Fans durch
die Menge tragen lässt. Und immer wieder überraschen sie durch
ungewohnte Songs wie dem Cover "Hey Du" was Rhythmus-Gitarrist
Peter Baumann solo präsentiert oder der sehr ungewohnten Cover
Version von Van Halens "Jump" als Ballade (!) mit Sänger Arnim
Teutoburg-Weiß und Schlagzeuger Thomas Götz am Piano.
Fazit: keine Ahnung, warum ich die Beatsteaks sträflich links
habe liegen lassen. Klasse Konzert!

Sonntag: Mago Masin

Weiter ging es für mich am Sonntag, das Ticket für Samstag habe ich weitergegeben, da mich an diesem Tag wirklich nichts angesprochen hat. Und der Sonntag war für mich der Kulturbühnentag und los ging es um 18:20 mit Mango Masin, der sich selbst als Liedermacher mit Peter-Pan-Syndrom beschreibt. Der fränkische Liedermacher hat skurrile, lustige Texte zu bieten, doch bevor er einen Song zum Besten gibt, gibt es erst einmal eine ebenso skurrile Einleitung zu demselben. Interaktion mit dem Publikum wird groß geschrieben wie beispielsweise bei dem Lied über ein knutschendes Pärchen im ICE. Dazu holt Mango Masin sich dann ein Pärchen auf die Bühne und auch ein Kontrolleur wird rekrutiert. Und natürlich kommt alles ganz anders als man denkt. Fazit: schöne Unterhaltung für den frühen Sonntag Abend.
Sonntag: Wildes Holz

Gekommen war ich aber für "Wildes Holz" die als eine der besten und ungewöhnlichsten Cover Bands angekündigt wurden. Das liegt sicherlich daran, dass man die Besetzung Blockflöte, Kontrabass und Gitarre nicht alle Tage sieht und hört. Von Klassik bis Rock werden die "größten Hits" aus vielen Jahrhunderten gecovert wobei die Blockflöte den Leadgesang übernimmt. "Walk on the wild side" und "Highway to Hell" klingen dann natürlich ganz anders, aber besonders schön wird es wenn es klassisch anfängt mit dem "Kanon in D" des Barockkomponisten Johann Pachelbel und dies dann nahtlos in Green Days "Basket Case" und wieder zurück übergeht. Ein paar Eigenkompositionen von Wildes Holz wurden hier und da eingestreut. Fazit: unbedingt mal ansehen und anhören.

Mein Das Fest Fazit
Auch "Das Fest" merkt die Zurückhaltung beim Ticketverkauf. Wie schon gesagt wurden nur am Samstag alle 35000 Tickets für den Bezahlbereich verkauft, an den anderen drei Tagen waren es jeweils "nur" 30000, trotz der vergleichsweise zu anderen Festivals extrem günstigen Ticketpreise. Was mich überrascht hat, wie voll es trotzdem vor der Hauptbühne war. Eigentlich war kein Unterschied zu den Vorjahren zu erkennen, als Das Fest ausverkauft war. Dies liegt sicher daran, dass es im Bezahlbereich einen nicht gerade kleinen Bereich neben der Hauptbühne gibt, auf den man sich zurückziehen kann, wenn man sich einen Band nur so nebenbei auf der dort installierten Leinwand ansehen möchte. Falls dann abends der Top Act dran ist drängen sich dann doch alle vor die Hauptbühne. Aber insgesamt ist das natürlich Jammern auf hohem Niveau denn auch außerhalb des Bezahlbereichs gibt es Kultur, Sport und vieles mehr zu entdecken, was den Charme von "Das Fest" ausmacht.
EIn Wort zu Musikauswahl des Bezahlbereichs: hier fehlte diesmal etwas ein generationsübergreifender Act wie beispielsweise Amy Macdonald im Vorjahr obwohl natürlich die Beatsteaks auch schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben und daher auch mehrere Generationen von Musikfans ansprechen. Wie gesagt: Jammern auf hohem Niveau aber ein bisschen mehr rockorientierte Auswahl würde nicht schaden und (Hinweis!) Fury in the Slaughthaouse betteln ja medial schon seit Jahren darum, mal wieder bei Das Fest spielen zu dürfen.



