R.E.M., 12.02.2005, Stuttgart, Schleyerhalle

Imitation of life? - Live!

Kurz nach 20:00 Uhr in der  Stuttgarter Schleyer Halle: das Licht geht aus und Michael Stipe betritt die Bühne - doch nicht etwa um das seit langem ausverkaufte Konzert von R.E.M. zu beginnen, sondern um die Support Band anzukündigen: "The Thrills" aus Dublin. Und die haben zunächst mal mit dem Los aller Vorgruppen zu kämpfen: schlechtem Sound (und wenig Licht). Ob allerdings bei besserem Sound mehr dabei rausgekommen wäre, wage ich zu bezweifeln: zu ähnlich klangen die Songs und zu gleichförmig agierten die 5. Da half es auch nicht, dass R.E.M.s Peter Buck, der auch auf dem letzten Album der Thrills zu hören ist,  sich samt Mandoline zu einem Song auf die Bühne gesellte. Schade eigentlich, denn der Sänger kann wirklich singen und seine Mitstreiter waren auch nicht schlecht, aber das Songmaterial war leider nur durchschnittlich.

Nach den Thrills folgte eine lange Umbaupause und um 21:20 Uhr betraten die 3 R.E.M.s, verstärkt um 3 weitere Musiker, die Bühne, um mit "
I took your name" und "The Wake -Up Bomb" musikalisch gleich mal für Stimmung zu sorgen wobei Sänger Michael Stipe  optisch mit einem Anzug kombiniert mit  aufgemalter Panzerknacker Augenbinde überraschte. Sensationell: der glasklare Sound und die exquisite Lightshow, die zusammen mit dem großen Videodisplay den großen Nachteil der Schleyerhalle ausglich: die niedrige Bühnenhöhe. Optisch war das schon mehr als beindruckend:  Leuchtstäbe vor verspiegeltem Bühnenhintergrund sorgten zusammen mit einer Kombination aus Live-Bildern und künsterisch gestalteten Videoeinspielungen zusammen mit der "normalen" Lightshow zur passenden Stimmung zu jedem Song.

Nach dem euphorisch aufgenommen Start machten R.E.M. auch im weiteren Verlauf alles richtig: Abwechslung war das Motto, was sich sowohl auf den Wechsel zwischen  Balladen wie z.B. "Drive" und "Everybody hurts" und Krachern wie "Star 69" bezieht, als auch auf die Mischung von alten Songs, wie "Orange Crush"
  vom 88er "Green" Album und natürlich Songs vom neuen "Around the sun" Album. Ich gebe zu: ich hatte vor der Show etwas Bedenken, denn "Around the sun" ist mir produktionstechnisch etwas zu gleichförmig geraten: obwohl viele gute Songs auf dem Album zu finden sind, sticht keiner beonders hervor. Um so größer war die Freude, als die gespielten "Around the sun" Songs mir live wesentlich besser gefielen als von CD. "Leaving New York" kam kraftvoller, bei "Electron Blues" kamen die unterschiedlichen Instrumente wesentlich besser zur Geltung und bei "The Outsiders" gefiel mir Micheal Stipe als Rapper wesentlich besser als Rapper Q-Tip vom Album. Überhaupt Michael Stipe: beindruckend wie dieser Mann, der in Interviews oft so zurüchhaltend wirkt, auf der Bühne aus sich raus geht.

Die einen finden es gut, die anderen nervt es, aber R.E.M. wären nicht R.E.M., wenn sie nicht darauf hinweisen würden, dass sie sich nicht nur musikalisch engagieren. Und so nimmt sich Michael Stipe Zeit, um auf die Stände der eingeladenen Organisationen "Amnesty International" und "Oxfoam" hinzuweisen. Und später dann, bei den 2 "Protestsongs" vom neuen Album, "I wanted to be wrong" und "Final Straw", laufen die Texte auf der Videowand mit. Aber natürlich stand trotzdem die Musik im Vordergrund und Highlights hab es viele: Mike Mills am Piano beim wunderschönen
"At my most beautiful" z.B.,  "Drive" und natürlich "Losing my religion", "The one I love"  oder R.E.M. erste Nummer 1 Hit in Japan: "Imitation of life". Ach, eigentlich war alles wunderschön und perfekt im positvem Sinne. Und wenn man dann noch auf  R.E.M.s Homepage lesen kann, dass in Stuttgart zum ersten Mal während der laufenden Tournee nach "Man on the moon" nicht Schluß war, sondern das Iggy Pop Cover "I wanna be your dog" gespielt wurde, findet man bestätigt, was man während des Konzerts schon merkte: nicht nur dem Publikum, auch der Band hat es Spaß gemacht.

REM Ticket

Hier noch ein Link: http://www.remhq.com

© 02/2005 by Hans-Georg Krumm
URL: http://www.hgkrumm.de/rem_120205.html 

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